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PSA-Kategorien I, II und III einfach erklärt: Was Einkauf und Arbeitsschutz prüfen müssen

PSA-Kategorien I, II und III einfach erklärt: Was Einkauf und Arbeitsschutz prüfen müssen

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten
ASATEX AG
05.11.2026

Ein CE-Zeichen allein verrät noch nicht, wie aufwendig eine persönliche Schutzausrüstung geprüft wurde. Warum steht bei manchen Produkten eine vierstellige Nummer hinter dem CE-Zeichen? Weshalb benötigt ein einfacher Schutzanzug einen anderen Prüfweg als ein Chemikalienschutzanzug? Und ist Kategorie III automatisch besser als Kategorie II?

Die Antworten liefert die PSA-Kategorie.

Die Verordnung (EU) 2016/425 unterteilt persönliche Schutzausrüstung in drei Kategorien. Entscheidend ist nicht, ob es sich um einen Handschuh, einen Schutzanzug oder einen Helm handelt. Maßgeblich ist das Risiko, vor dem das Produkt schützen soll. Daraus ergibt sich das erforderliche Prüf- und Überwachungsverfahren.

Das Risiko bestimmt die Kategorie. Die Kategorie bestimmt den Prüfweg. Die Gefährdungsbeurteilung entscheidet über die Auswahl.

PSA-Kategorien auf einen Blick

Kategorie Risikoniveau Prüfverfahren ASATEX-Beispiel
Kategorie I ausschließlich geringfügige Risiken interne Fertigungskontrolle durch den Hersteller Polypropylen-Schutzanzug PP-1L
Kategorie II Risiken, die weder Kategorie I noch Kategorie III zugeordnet sind EU-Baumusterprüfung plus interne Fertigungskontrolle CoverClean® Green CCG
Kategorie III Risiken mit möglichen tödlichen oder irreversiblen Folgen EU-Baumusterprüfung plus laufende Produktionsüberwachung CoverFlash® CF5, Typ 5B und 6B

Die drei ASATEX-Schutzanzüge verdeutlichen, dass Produkte derselben Produktgruppe unterschiedlichen PSA-Kategorien angehören können. Der PP-1L ist als Kategorie I, der CCG als Kategorie II und der CF5 als Kategorie III ausgewiesen.

Warum das Risiko und nicht die Produktart entscheidet

Ein Schutzhandschuh ist nicht automatisch der Kategorie I, II oder III zugeordnet. Entscheidend ist die Schutzfunktion, für die das konkrete Produkt vorgesehen ist.

Ein Handschuh gegen oberflächliche mechanische Verletzungen kann zur Kategorie I gehören. Ein Arbeitshandschuh gegen stärkere mechanische Risiken wird häufig der Kategorie II zugeordnet. Chemikalienschutzhandschuhe gehören dagegen in der Regel zur Kategorie III, da gefährliche Stoffe schwere oder irreversible Gesundheitsschäden verursachen können.

Dasselbe gilt für Schutzkleidung. Zwei äußerlich ähnliche Overalls können für vollkommen unterschiedliche Einsatzbereiche vorgesehen sein. Aussehen, Materialstärke oder Produktbezeichnung lassen deshalb keinen sicheren Rückschluss auf die PSA-Kategorie zu.

Kategorie I: PSA gegen geringfügige Risiken

Kategorie I umfasst ausschließlich geringfügige Risiken, deren Auswirkungen Anwender rechtzeitig erkennen und selbst einschätzen können.

Dazu zählen beispielsweise:

  • oberflächliche mechanische Verletzungen
  • Kontakt mit schwach aggressiven Reinigungsmitteln
  • längerer Kontakt mit Wasser
  • Kontakt mit mäßig warmen Oberflächen bis 50 °C
  • Witterungseinflüsse, die nicht extremer Art sind

Bei PSA der Kategorie I führt der Hersteller die Konformitätsbewertung selbst durch. Dieses Verfahren wird als interne Fertigungskontrolle nach Modul A bezeichnet. Eine externe Prüfstelle ist nicht vorgeschrieben.

Der Hersteller muss dennoch die technischen Unterlagen erstellen, eine EU-Konformitätserklärung ausstellen, eine Benutzerinformation bereitstellen und die CE-Kennzeichnung anbringen. Kategorie I bedeutet deshalb nicht „ungeprüft“. Die Bewertung erfolgt jedoch ohne verpflichtende externe Baumusterprüfung.

Praxisbeispiel: Polypropylen-Schutzanzug PP-1L

Der Polypropylen-Schutzanzug  PP-1L  ist als PSA der Kategorie I ausgewiesen. Er darf nicht mit einem zertifizierten Chemikalienschutzanzug des Typs 5 oder Typs 6 gleichgesetzt werden.

Kategorie II: PSA für alle übrigen Risiken

Kategorie II ist die sogenannte Auffangkategorie. Sie umfasst Risiken, die weder ausdrücklich der Kategorie I noch der Kategorie III zugeordnet sind.

Typische Beispiele sind:

  • viele Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken
  • Warnschutzkleidung
  • Sicherheitsschuhe
  • Industrie-Schutzhelme
  • bestimmter Augen- und Gesichtsschutz

Bei PSA der Kategorie II ist eine EU-Baumusterprüfung nach Modul B vorgeschrieben. Dabei prüft eine unabhängige, offiziell zugelassene Prüfstelle ein repräsentatives Produktmuster und die dazugehörigen technischen Unterlagen. Der offizielle EU-Begriff dafür lautet „notifizierte Stelle“.

Nach erfolgreicher Prüfung stellt die Prüfstelle eine EU-Baumusterprüfbescheinigung aus. Anschließend stellt der Hersteller durch die interne Fertigungskontrolle nach Modul C sicher, dass die Serienprodukte weiterhin dem geprüften Baumuster entsprechen. PSA der Kategorien II und III unterliegt einer verpflichtenden EU-Baumusterprüfung.

Praxisbeispiel: CoverClean® Green CCG

Der CoverClean® Green CCG ist als PSA der Kategorie II zertifiziert. Das Beispiel verdeutlicht, dass auch ein Schutzanzug zur Kategorie II gehören kann und sich die Kategorie nicht allein aus der Produktgruppe oder dem äußeren Erscheinungsbild ableiten lässt.

Kategorie III: Schutz vor besonders schwerwiegenden Risiken

Kategorie III umfasst Risiken, die zum Tod oder zu irreversiblen Gesundheitsschäden führen können.

Dazu zählen unter anderem Gefahren durch:

  • gesundheitsgefährdende Stoffe und Gemische
  • schädliche biologische Agenzien
  • Sauerstoffmangel
  • extreme Hitze oder Kälte
  • Stromschlag
  • Absturz aus der Höhe
  • schädlichen Lärm

Typische Produkte der Kategorie III sind Atemschutzgeräte, Chemikalienschutzhandschuhe, Chemikalienschutzanzüge, Gehörschutz und persönliche Absturzschutzausrüstung.

Welche Prüfverfahren gelten für Kategorie III?

Auch PSA der Kategorie III benötigt eine EU-Baumusterprüfung. Zusätzlich wird die laufende Produktion durch eine unabhängige Prüfstelle überwacht. Dafür sieht die PSA-Verordnung zwei mögliche Verfahren vor:

  • Modul C2: überwachte Stichprobenprüfungen aus der Serienproduktion
  • Modul D: Überwachung des Qualitätssicherungssystems für die Produktion

Bei PSA der Kategorie III steht deshalb hinter dem CE-Zeichen eine vierstellige Kennnummer. Sie identifiziert die Prüfstelle, die an der laufenden Produktionsüberwachung beteiligt ist. Die Nummer ist weder eine Produktnorm noch eine Qualitätsstufe.

Praxisbeispiel: CoverFlash® CF5

Der CoverFlash® CF5 ist als PSA der Kategorie III sowie als Typ 5B und 6B ausgewiesen. Er bietet unter anderem Schutz gegen feste Partikel, begrenzte Flüssigkeitsspritzer und Infektionserreger.

Die Prüfverfahren kurz erklärt

Modul Bedeutung
A interne Fertigungskontrolle durch den Hersteller
B EU-Baumusterprüfung durch eine unabhängige Prüfstelle
C interne Kontrolle der Serienproduktion durch den Hersteller
C2 überwachte Stichprobenprüfungen aus der Serienproduktion
D Überwachung des Qualitätssicherungssystems für die Produktion

Die EU-Baumusterprüfbescheinigung und die EU-Konformitätserklärung sind nicht dasselbe. Die Baumusterprüfbescheinigung wird von der Prüfstelle ausgestellt und bestätigt die Prüfung eines repräsentativen Produkts. Mit der EU-Konformitätserklärung erklärt der Hersteller in eigener Verantwortung, dass das tatsächlich in Verkehr gebrachte Produkt den geltenden Anforderungen entspricht.

Was bedeuten die Kategorien für Schutzanzüge?

Ein Overall ist nicht automatisch persönliche Schutzausrüstung. Reine Arbeitskleidung ohne ausgewiesene Schutzfunktion fällt nicht allein aufgrund ihrer Form unter die PSA-Verordnung. Dient ein Schutzanzug dagegen dem Schutz vor Kontamination oder anderen Gefährdungen, handelt es sich um PSA.

Schutztypen von Chemikalienschutzanzügen

Bei Chemikalienschutzanzügen begegnen Einkäufern häufig folgende Angaben:

  • Typ 3: flüssigkeitsdicht
  • Typ 4: sprühdicht
  • Typ 5: partikeldicht
  • Typ 6: begrenzter Schutz gegen Flüssigkeitsspritzer

Wichtig: Der Schutztyp ist nicht die PSA-Kategorie.

Der Schutztyp beschreibt eine geprüfte Schutzleistung. Die PSA-Kategorie beschreibt dagegen die Schwere des Risikos und bestimmt den vorgeschriebenen Prüfweg. Ein Schutzanzug kann daher der Kategorie III angehören und gleichzeitig beispielsweise die Anforderungen an Typ 5 und Typ 6 erfüllen.

PSA-Kategorie, Produktnorm, Schutztyp und Leistungsstufe unterscheiden

Auch Produktnorm, Schutztyp und Leistungsstufe erfüllen jeweils eine andere Funktion:

Begriff Bedeutung
PSA-Kategorie beschreibt die Schwere des Risikos und bestimmt den erforderlichen Prüfweg
Produktnorm legt Prüfmethoden und Anforderungen an eine bestimmte Schutzfunktion fest
Schutztyp beschreibt eine definierte Schutzleistung eines Schutzanzugs
Leistungsstufe zeigt das Ergebnis einer konkreten Prüfung

Was sollten Einkauf und Arbeitsschutz prüfen?

Vor der Beschaffung sollte nicht nur auf das CE-Zeichen geachtet werden. Entscheidend ist, ob das Produkt, die zugehörigen Unterlagen und der vorgesehene Einsatz zusammenpassen.

Eine kompakte Prüfung umfasst folgende Punkte:

  • Passt die Schutzfunktion zur Gefährdungsbeurteilung?
  • Ist die PSA-Kategorie nachvollziehbar?
  • Ist die CE-Kennzeichnung vollständig?
  • Steht bei Kategorie III die vierstellige Kennnummer hinter dem CE-Zeichen?
  • Liegt eine eindeutig zuordenbare EU-Konformitätserklärung vor?
  • Ist bei Kategorie II und Kategorie III die EU-Baumusterprüfung nachvollziehbar?
  • Stimmen Produktbezeichnung und Dokumente überein?
  • Passen Normen, Schutztypen und Leistungsstufen zum vorgesehenen Einsatz?
  • Liegt eine verständliche Benutzerinformation in der jeweiligen Landessprache vor?
  • Ist die PSA mit weiteren Schutzkomponenten kompatibel?

Eine formal konforme PSA ist nicht automatisch für jede Tätigkeit geeignet. Erst die Gefährdungsbeurteilung zeigt, welche Schutzfunktion und welche Leistungsstufe am konkreten Arbeitsplatz erforderlich sind.

FAQ: Häufige Fragen zu PSA-Kategorien

Benötigt nur Kategorie III eine Baumusterprüfung?

Nein. Sowohl PSA der Kategorie II als auch PSA der Kategorie III benötigen eine EU-Baumusterprüfung nach Modul B. Bei Kategorie III kommt zusätzlich die laufende Produktionsüberwachung nach Modul C2 oder Modul D hinzu.

Sind Schutzanzüge immer Kategorie III?

Nein. Ein Schutzanzug kann abhängig von seiner vorgesehenen Schutzfunktion der Kategorie I, II oder III angehören. Reine Arbeitskleidung ohne ausgewiesene Schutzfunktion kann zudem außerhalb der PSA-Verordnung liegen.

Muss die Baumusterprüfbescheinigung jedem Produkt beiliegen?

Nein. Bei PSA der Kategorien II und III sollte jedoch nachvollziehbar sein, dass eine gültige EU-Baumusterprüfung vorliegt. Bei Audits oder Ausschreibungen kann die EU-Baumusterprüfbescheinigung zusätzlich angefordert werden.

Was bedeutet die Nummer hinter dem CE-Zeichen?

Bei PSA der Kategorie III identifiziert die vierstellige Kennnummer die unabhängige Prüfstelle, die an der laufenden Produktionsüberwachung beteiligt ist. Sie ist weder eine Produktnorm noch eine Angabe zur Schutzleistung.

Fazit: Erst das Risiko, dann die Kategorie

PSA-Kategorien zeigen, wie schwerwiegend ein Risiko ist und welches Prüfverfahren für das Produkt vorgeschrieben ist. Sie sind keine Qualitätsstufen und ersetzen nicht die betriebliche Gefährdungsbeurteilung.

Die drei ASATEX-Beispiele PP-1L, CCG und CF5 verdeutlichen, wie unterschiedlich Schutzanzüge eingeordnet werden können. Obwohl alle drei Produkte zur Gruppe der Overalls gehören, erfüllen sie unterschiedliche Schutzaufgaben und werden deshalb den Kategorien I, II und III zugeordnet.

Das Risiko bestimmt die Kategorie. Die Kategorie bestimmt den Prüfweg. Die Gefährdungsbeurteilung entscheidet, welche PSA tatsächlich geeignet ist.