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EN ISO 20471:2013 – Höchste Sichtbarkeit in Hochrisikosituationen

EN ISO 20471:2013 – Höchste Sichtbarkeit in Hochrisikosituationen

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
26.01.2026

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Montagmorgen – 6 Uhr, Sie bereiten die Baustelle vor, auf den Straßen ist es noch dunkel und der Verkehr wirkt ruhig. Sie überprüfen gerade die Position der Absperrkegel, als plötzlich ein Auto nur wenige Zentimeter an Ihnen vorbeirauscht. Sie wurden übersehen. Genau hier greift eine Norm, die Leben retten kann:  EN ISO 20471 . Sie legt fest, welche Anforderungen Warnschutzkleidung erfüllen muss, wenn höchste Sichtbarkeit am Tag, bei Dämmerung und in der Nacht entscheidend ist.

Fluoreszenz und Reflexion: Warum die Materialwahl entscheidend ist?

Um einen optimalen Warnschutz zu erzielen, setzt man auf die Kombination zweier Materialien – einem fluoreszierenden Grundstoff und retroreflektierenden Streifen. Die enthaltenen Farbpigmente absorbieren energiereiches UV-Licht und strahlen es als Licht mit längerer Wellenlänge wieder ab. Auf diese Weise wird unsichtbares UV-Licht in ein intensives, sichtbares Leuchten verwandelt – besonders wirksam bei Tageslicht und in der Dämmerung. Die zusätzlich aufgebrachten Streifen reflektieren einfallendes Licht gezielt zurück zur Quelle und gewährleisten so auch unter schlechten Lichtbedingungen die erforderliche Wahrnehmbarkeit.

Wie wird die Warnschutzklasse der PSA ermittelt?

Gemäß der Norm  EN ISO 20471  werden drei Warnschutzklassen unterschieden. Mit steigender Warnschutzklasse nehmen die vorgeschriebenen Mindestflächen für fluoreszierendes Hintergrundmaterial und retroreflektierende Streifen zu. Die Klasse der Kleidung wird anhand der kleinsten Kleidergröße ermittelt.

  • Klasse 1: 0,14 m² HM / 0,10 m² RM
  • Klasse 2: 0,50 m² HM / 0,13 m² RM
  • Klasse 3: 0,80 m² HM / 0,20 m² RM

Wird Warnschutzkleidung in Kombination getragen, wird die Schutzklasse auch anhand einer Bekleidungskombination (z. B. Jacke und Hose) bestimmt. Erreicht die sichtbare Fläche der Kombination die geforderten Mindestwerte einer höheren Warnschutzklasse, können beide Artikel in der höheren Klasse eingestuft werden. Diese Einstufung muss sowohl in den Herstellerangaben als auch auf dem Etikett eindeutig ausgewiesen sein.

Einsatzabhängige Warnschutzklasse

Die erforderliche Warnschutzklasse richtet sich ebenfalls nach den konkreten Bedingungen am Einsatzort – insbesondere nach der zulässigen Fahrzeuggeschwindigkeit und den Lichtverhältnissen. In öffentlichen Verkehrsbereichen sind die Anforderungen an die Sichtbarkeit wie folgt geregelt:

Bei Fahrzeuggeschwindigkeiten bis 60 km/h ist Warnschutzkleidung der Klasse 2 vorgeschrieben. Sie bietet eine ausreichende Sichtbarkeit für Tätigkeiten im innerstädtischen Verkehr oder auf Nebenstraßen bei Tageslicht.

Ab einer Geschwindigkeit von über 60 km/h oder bei Arbeiten in der Dunkelheit, Dämmerung oder eingeschränkter Sicht, ist Warnschutzkleidung der Klasse 3 erforderlich. Diese ermöglicht durch zusätzliche Reflexzonen an Torso und Gliedmaßen eine deutlich höhere Sichtbarkeit, auch aus größerer Entfernung und bei schwierigen Sichtverhältnissen.

Welche Beanspruchungen werden geprüft?

Um die Qualität und Langlebigkeit von Materialien sicherzustellen, werden im Rahmen standardisierter Prüfverfahren verschiedene Beanspruchungen von Warnschutzkleidung untersucht. Dazu gehören:

  • Abrieb
  • Dauerknicken
  • Falten bei niedrigen Temperaturen
  • Temperaturwechsel - Einfluss von Regen
  • Waschen
  • Chemisch reinigen

Mit den Prüfergebnissen kann demnach gewährleistet werden, dass die Schutzfunktionen auch unter starker Beanspruchung lange erhalten bleiben.

Designanforderungen an die Sichtbarkeit

Designanforderungen an Reflexstreifen sind notwendig, um die Sichtbarkeit der Schutzkleidung aus allen Blickwinkeln sicherzustellen. Dabei spielen die Breite und Neigung der Reflexstreifen sowie deren Abstand zueinander eine entscheidende Rolle. Im Folgenden sind sowohl grundlegende Anforderungen als auch spezifische Vorgaben für die Anordnung an Jacken, Hosen, Latzhosen und Overalls zusammengefasst:

Kategorie Technische Vorgaben
Allgemeine Reflexstreifen
  • Mindestens 50 mm breit und umlaufend (360° Sichtbarkeit)
  • Neigung max. 20°
  • Abstand von Säumen mind. 5 cm
  • Abstand zwischen den Reflexstreifen mind. 5 cm
  • Anordnung (verschiedene Möglichkeiten)
Jacken Reflexstreifen an Schultern, 1 am Rumpf, 2 am Ärmel
oder: Schultern optional, dann 2 am Rumpf, 2 am Ärmel
Hosen (Bund & Latz) 2 Reflexstreifen an den Hosenbeinen; optional am Bund
Overalls Reflexstreifen an Schultern, 1 am Rumpf, 2 am Ärmel
oder: Schultern optional, dann 2 am Rumpf, 2 am Ärmel + 2 Reflexstreifen an den Hosenbeinen

EN 17353:2020 – Sichtbarkeit bei mittlerem Risiko

Diese europäische Norm definiert Anforderungen an Warnschutzkleidung für Situationen mit mittlerem Risiko. Maßgeblich unterscheidet sie sich dadurch, dass sie nicht für Hochrisikosituationen wie zum Beispiel Arbeiten auf der Autobahn vorgesehen ist und selbst in der höchsten Einstufung einen geringeren Schutz als die Mindestanforderung der Klasse 3 der EN ISO 20471 bietet. Zudem erfolgt eine Einteilung in Typen, bei denen die Sichtbarkeit je nach Einsatzbedingungen selektiv erhöht wird. Die zusätzliche Differenzierung innerhalb von Typ B ermöglicht eine abgestufte Kategorisierung der Sichtbarkeit bei Dunkelheit.

Typ Einsatz & Material
Typ A Nur bei Tageslicht (Nur fluoreszierendes Material)
Typ B Nur bei Dunkelheit (Nur retroreflektierendes Material)
Typ AB Tageslicht, Dämmerung und Dunkelheit (entsprechend kombiniertes Material)
Unterteilung (B / AB) Details zur Reflexionsfläche
Variante 1 (B1 / AB1) 0,003 m² | Frei hängend | Funktion: Erkennen von Bewegung
Variante 2 (B2 / AB2) 0,018 m² | An den Gliedmaßen | Funktion: Erkennen von Bewegung
Variante 3 (B3 / AB3) 0,08 m² | Auf Torso und/oder Gliedmaßen | Funktion: Erkennen der Silhouette

Sichtbarkeit rettet Leben

Entdecken Sie unsere nach  EN 17353:2020  und  EN ISO 20471  zertifizierte Warnschutzkleidung für höchste Sichtbarkeit bei mittlerem und hohem Risiko.

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